Kreativität vs. Selbstorganisation - ist Kreativität planbar?
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Kreativität – Selbstorganisation – Ist Kreativität planbar ?

Kreativität-Selbstorganisation

Meine Studie zum Verhältnis von Kreativität, Selbstorganisation und flow

Wie kannst du als Freelancer, Texter, Designer etc. besonders produktiv sein und im Sinne der Kreativität gute Arbeit abliefern? Möglichst früh am Morgen vor ein weißes Blatt Papier setzen oder lieber viel Zeit in der Badewanne verbringen und in den flow zu kommen? Ist Selbstorganisation und die strikte Strukturierung des Arbeitstages hinderlich oder förderlich für den Kreations-Prozess?

Die tägliche Infoflut, welche per Mail, Post, Internet, Telefon und durch Projektpartner auf uns einströmt, verleitet zum fremdgesteuerten Arbeiten. Wie bleibst du Herr(in) der Lage und bleibst gleichzeitig kreativ? Ich hatte in meinem Netzwerk und frei im Netz zur Umfrage unter Kreativen aufgerufen und wollte die Gretchen-Frage beantwortet haben: Wie hältst du’s mit der Selbstorganisation?
Über 80 größtenteils selbstständige Kreativarbeiter haben an der Umfrage teilgenommen – dafür bin ich unendlich dankbar!

Die Ergebnisse sind auch ohne “Kontrollgruppe” (mit allen Professionen) sehr interessant und haben mich zu diesen 9 Thesen geführt:

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9 Thesen zum Verhältnis von Kreativität & Selbstorganisation

1. Ein Kreativ-Arbeiter ist weder immer Ordnungsprofi noch chaotisches Genie.

Witziger Weise sind die beiden gemäßigten Ordnungstypen “Ordnungsprofi” und “latenter Chaot” mit je 35 Personen genau gleich häufig vertreten. Für die extremeren Typen “Ordnungsfanatiker” und “kreatives Genie” halten sich nur jeweils 4 bzw. 6 Personen.

2. Fast 90% der befragten Kreativen überlassen nicht alles dem Zufall, sondern planen auch.

Die mit 34 Personen größte Gruppe investiert täglich 15 Minuten für die Planung, gefolgt von 24 Personen, die 30 Minuten investieren. Anmerkung: Besonders erfolgreiche Persönlichkeiten sollen wohl 10% ihrer Arbeitszeit in die Planung stecken. Da wäre man bei 30 Minuten täglich schon recht dicht dran, wenn man von einem 6 Stunden Arbeitstag also 360 Minuten ausgeht.
Nur 14% investieren so gut wie keine Zeit in die Planung und nur 8,6 % machen sich überhaupt keine Todo-Listen.

Die Zielplanung wird von den meisten auf einen mittelfristigen Zeithorizont von einem Quartal oder auch kürzer ausgerichtet. Längerfristiges z.B. Jahresplanung machen nur 29%.

3. Papier ist für Aufgaben und Notizen gegenüber elektronischen Helferlein immer noch beliebter

Ihre Todo-Liste führen 68% lieber analog und auch bei den Werkzeugen für die Infothek liegen Stapel und Klebezettel hier und da mit 45% gefolgt vom Notizbuch mit 43% vorn. Filtert man die Teilnehmer nach Ordnungsprofis fällt auf, dass die dann doch etwas mehr digitale Tools nutzen.
Der Überhang an Papier bei den “latenten Chaoten” ist gegebenenfalls auch die Ursache, dass bei dieser Gruppe bei den Ablenkungen auch ein höherer Anteil bei “Unterlagen suchen, Zettel und Datei-Chaos” zustande kommt.

4. Social Media ist der Staatsfeind Nr. 1 der kreativen Produktivität.

Bei der Frage nach den größten Ablenkern, waren sich fast alle einig. Insgesamt 84 % (!) sehen in Social Media und Internet das Gift für ihre Konzentration.

Es folgen die Ablenkungsfaktoren Mails (35%) und Familie (35%), was wohl an der Arbeitssituation der Befragten liegt:
Denn die Teilnehmer meiner Umfrage arbeiten hauptsächlich (56%) im Home-Office und sind nur selten in Co-Working-Spaces oder beim Arbeitgeber. Teamarbeit kommt aber bei fast 50% gelegentlich vor, obwohl die Gefragten im Grunde allein arbeiten. Störungen von außen (Kollegen oder Telefon, also die typischen Unterbrechungen, vor denen immer gewarnt wird)  sind nicht wirklich eine Gefahr.

Laut Feedback geht es definitiv darum, den Hang zur Prokastination im Social oder allgemeinem Web zu unterbinden.  Einige schaffen das über “Disziplin” sowie “guten Vorsätzen und den Kampf gegen den inneren Schweinehund” andere nutzen zusätzliche Barrieren als Schutz “Handy auf Flugmodus” oder “Webseiten-Blocker” – berichten jedoch auch, dass diese Schutzbarrieren immer wieder umgangen werden 😉
Anmerkung: Kreativ produktiv zu sein, ist für mich also eine Frage der Persönlichkeitsentwicklung. Die geistige Stärke, sich nicht ablenken zu lassen, um sich voll auf eine Sache zu fokussieren, kann verbessert werden, je öfter man sie trainiert – wie bei einem Muskel.

5. Kreativität ist planbar?

Ist Kreativität planbar? So die Schlüsselfrage meiner Umfrage unter selbstständigen Designern, Autoren, Konzeptionern deren Profession zu einem großen Teil auf ihrer Kreativität fußt.

Bei 56 % Ja-Stimmen und 44 % nein, gibt es hier insgesamt eine gewisse Zuversicht. Hierzu passt auch die Auswahl der Zitate als Verdeutlichung der eigenen Haltung. Hier stimmen 53% für  “For every minute spent in organizing, an hour is earned.” und “ Plans are worthless, but planning is everything.”
47% fühlen sich besser so repräsentiert:  “Creativity is the residue of wasted time. “ und  “No chaos, no creation.”

Ich wollte es jedoch genauer wissen und habe mir die Ergebnisse und individuellen Strategien mal etwas genauer angeschaut.
Denn basierend auf dem NLP-Modell der Ebenen des Denkens ist unsere Realität durch diese Pyramide geprägt. In einem anderen Artikel erkläre ich genauer, wie man die Kenntniss über die Ebenen nutzen kann, um Selbstorganisation zu lernen.

Selbstmanagement lernen

Die jeweiligen Ebenen wirken sich von oben auf die unteren Ebenen aus. Dh. unsere Werte bestimmen auch unsere Fähigkeiten. Diese wiederum auch unser Verhalten und letztendlich gestalten wir dementsprechend unser Umfeld.
Ich habe daher die Antworten in zwei Gruppen aufgeteilt.
Die erste Gruppe verdeutlicht ihre Werte durch Antworten wie “Kreativität ist planbar” und Haltungen wie “For every minute spent in organizing, an hour is earned.” oder “ Plans are worthless, but planning is everything.”
Die zweite Gruppe verdeutlicht ihre Werte durch die Aussage “Kreativität ist nicht planbar” und Haltung wie “Creativity is the residue of wasted time. “ und  “No chaos, no creation.”

6. Die Werte bezüglich Kreativität und Planung stehen in Relation zu unserem Handeln.

Die erste Gruppe, in deren Wertesytem die starke Verbindung von Selbstorganisation und Kreativität angelegt ist, investiert zu 95% auch Zeit in die Planung. 53% dieser Gruppe sogar 30 Minuten und mehr. Sie richten Ihre Ziele eher auf das Quartal aus, gehen also etwas strategischer ran, als nur Wochenweise zu denken. Auch die Arbeitszeit in der Woche wird von dieser Gruppe strukturiert. Entweder mittels Todo-Liste (50%) oder mit Arbeitsblöcken für spezifische Projekte (41%).

Für die zweite Gruppe ist gemäß ihres Wertesystems unwahrscheinlich, dass sich Kreativität planen lässt und Struktur da einen größeren Beitrag leisten könnte. Sie verbringen auch zu 71% keine Zeit oder nur 15 Minuten mit der täglichen Planung ihrer Aufgaben. Einige Todo-Listen gibt es dann doch, allerdings machen sich  20% auch gar keine Listen. Auch in der Arbeitsweise spiegeln sich die Werte wieder: 45% teilen sie sich nicht ein, sondern machen das, wonach ihnen gerade ist. 42 % schauen allerdings dabei schon auf ihrer Todo-Liste. Auffällig häufig werden von dieser Gruppe für ihre Infothek bzw. Referenzen Stapel und Klebezettel hier und da verwendet (61%).

Für mich bestätigt sich hier, dass wir anhand unserer Werte auch unser Arbeitsumfeld gestalten und entsprechend die Werkzeuge auswählen. Das ist ja auch sinnvoll, denn andersherum ist es natürlich auch immer wichtig bei dem was und wie wir etwas tun, zu fragen “Warum?”.
Meine These ist, wenn das tatsächliche Handeln mit den eigenen Werten in Einklang ist, können wir harmonischer und flüssiger agieren und einfacher in den flow kommen.

Tweet: Wenn das  Handeln mit den eigenen Werten in Einklang ist, können wir harmonischer agieren und einfacher in den flow kommen

7. Ein Kreativer ist besonders produktiv, wenn er sich selbst und seine Bedürfnisse gut kennt.

Letztendlich ist dies die Konsequenz von Werten und Handeln, die nicht im Widerspruch stehen. Darüber hinaus, lassen auch die individuellen Strategien erkennen, dass die meisten für sich die passende Situation schaffen, um möglich gut in den Flow zu kommen.

Im groben kann man zwei Typen unterscheiden:
Dem einen Typ hilft Leere und Ordnung, d.h. weniger Ablenkung um in den Flow zu kommen, z.B.:
“Ich kann tatsächlich am besten kreativ sein, wenn ich das Gefühl habe, alles Organisatorische ist erledigt. Am liebsten habe ich dafür eine aufgeräumte Wohnung und einen ordentlichen Schreibtisch, eine erledigte Buchhaltung. Manchmal räume ich extra spät abends noch auf, damit ich am nächsten Morgen entspannt und kreativ am Schreibtisch sitzen kann.”
Claudia Kahl glaubt nicht, dass man Kreativität planen kann, allerdings versucht sie auch durch die passende Umgebung gezielt in den flow zu kommen “Schreibtisch und Ablage aufräumen – für einen klaren Kopf. Tee machen, Fenster auf/frische Luft auch für einen klaren Kopf, zur Situation oder zum anstehenden Projekt passende Musik.”

Der andere Typ braucht Input und Inspiration um in den Flow zu kommen „Wegzeiten nutzen (auf dem Fahrrad, zu Fuß), Freiraum schaffen, gezielter Input (aufmerksam draussen unterwegs sein, Kunstausstellungen besuchen, Bücher anschauen)” Vera Rammelmeyer von mischen Berlin oder  “Recherche und Themenvorbereitung möglichst frei beginnen, sich treiben + inspirieren lassen, erst später sortieren und bewerten.” Marie Luise Emmermann von Skizzomat .

 

8. Oder gibt es doch 4 Typen bezogen auf Werte und Verhaltensweisen?

Mich wunderte bei der Auswertung, dass ich immer wieder Antwortbögen von Ordnungsprofis laß, die jedoch anzweifelten, ob Kreativität planbar ist. Genauso fielen mir “Chaoten” auf, die an planbare Kreativität glauben.
Yvonne von Starck schwankt zwischen flow und geplanter Kreativität  “Jein – mir hilft Zeitdruck durchaus, aber richtig gute Einfälle kommen in den unmöglichsten Momenten, nicht auf Knopfdruck.”
Dies führte mich zu der Annahme, dass es eigentlich vier Typen gibt, wie diese Matrix zeigt:

A: Ordnungsprofis, die an planbare Kreativität glauben.

B: Ordnungspofis, die an Chaos und nicht an planbare Kreativität glauben.

C: Chaoten, die glauben, das Chaos für Kreativität der Schlüssel ist.

D: Chaoten, die schon glauben, dass Kreativität planbar sei.

Typ A und C entspricht meiner These Nr. 6 und ist auch weitaus häufiger vertreten (zusammen finden sich hier rund ⅔ der Befragten). Aber es gibt auch ⅓ der Befragten, die sich auf den Typ B und D aufteilen. Bei ihnen stehen Werte und eigenes Verhalten in gewisser Weise im Widerspruch.

9. Flow braucht Routinen

“Ich nehme mir konkrete Aufgabenpakete vor, von denen ich mich während der Erledigung nicht ablenken lassen möchte.”
Unser Gehirn liebt Muster und liebt die Gewissheit zu wissen, was als nächstes kommt.

Auch Cornelia Altenburg ist davon überzeugt, dass Kreativität planbar ist, wenn man sich auch diszipliniert. Dafür hilft es ihr das Handy auf Flugmodus zu stellen, einen “Timer stellen für bestimmte Projekte z.B. 30 Minuten auf eine Sache konzentrieren “ und “feste Zeiten fürs E-Mails-checken”. Um in den Flow zu kommen bevorzugt sie Musik oder sich vorher sportlich verausgaben … “die Quellen der Inspiration sind unendlich!”

Mein Fazit zum Verhältnis zwischen Kreativität, Selbstorganisation und flow:  

Es braucht bewusstes Handeln für handelndes Unterbewusstsein. 

[Tweet „Es braucht bewusstes Handeln für handelndes Unterbewusstsein.9 Thesen zu Kreativität vs. Selbstorganisation“]

Oder um es mit Anke Hambschs Worten zu sagen, denn besser hätte ich nicht Bilanz ziehen können: “Gute Ideen werden erarbeitet. „Die“ Idee kommt jedoch meist, wenn der Kopf im Leerlauf ist – in den Pausen und nach der wichtigen „Vorarbeit“
Um in den flow zu kommen rät sie, sollte man “sich intensiv mit dem Thema auseinandersetzen, und dann zwei Schritte zurücktreten.”

 

Nun interessiert mich dein Meinung. Falls du nicht an der Umfrage teilgenommen hast, schreib gerne einen Kommentar, was deine Strategie ist, um in den Flow zu kommen. Glaubst du, dass Kreativität etwas mit Selbstorganisation zu tun hat?

Ich bin gespannt!

Vielen Dank für die über 80 Teilnehmer dieser Umfrage. Ein paar möchte ich hier stellvertretend nennen:

Kreativ strategisches Design, Branding-kommunikation, Webdesign & Entwicklung und Animation. Ich kombiniere Kreativität und Technologie um innovative Marketinglösungen für jedes Budget zu liefern. www.gillendesign.eu

 

Konzept und Text für Online- und Print-Publikationen.
www.abcwerk.ch

 

 

Historikerin, Texterin und Schreibtrainerin – immer im Auftrag für das gute, genussvolle und nachhaltige Leben. www.schoeneworte.com

 

 

Journalistin & Texterin, Schwerpunkte: Frauenmagazine, CR Fach- und Fortbildungsmagazine (Thema: Pflege), Webtexte (SEO), Kataloge, Social Media, Blogging.
www.katharina-schwarz.net

 

Dein Rettungsring für Handarbeitsprobleme: fremdsprachige Anleitungen, verhedderte Strickstücke, unverständliche Charts?  www.constricktions.de

 

 

Freie Konzeptionerin und Designerin im Bereich Museumsgestaltung, Ausstellung, Messe, Event in.
www.claudiakahl.com

 

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